Der Meister

Losgelöst von den Sinnen, bist du frei.
Wenn du an etwas haftest, bist du gebunden.
Wenn du das verstehst, kannst du tun, was dir gefällt.
Wer das versteht, der wird stumm,
auch der kluge, geschäftige Mensch
der wohlgesetzt reden kann.
Er tut nichts mehr.
Er gibt Ruhe.
Kein Wunder, dass jene,

die nach Vergnügen trachten,
dies nicht gern hören!

Du bist nicht dein Körper.
Dein Körper ist nicht du.
Du bist es nicht, der tut.
Du bist es nicht, der genießt.
Du bist reines Bewusstsein, der Beobachter aller Dinge.
Wenn du nichts mehr erwartest, dann bist du frei.
Wohin du auch gehst, sei glücklich.
Hätte der Körper Bestand bis ans Ende der Zeit,
oder würde er heut noch vergehen:
Was wäre gewonnen oder verloren?
Du bist das unendliche Meer, in dem alle Welten steigen und fallen
mit seinen Wogen.
Du hast nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren.
Warum also glaubst du, du könntest etwas festhalten oder loslassen?
Das kannst du nicht!
Die Welt ist entstanden aus Unwissenheit.
Nur du bist wirklich.
Alles ist ein Teil deines Selbst, sogar Gott.
Du bist reines Bewusstsein.
Du findest Frieden.
Störe nie deinen Geist mit Ja oder Nein.
Sei still.
Du selbst bist Bewusstsein.
Was nützt dir das Denken?
Gib die Meditation auf, für immer,
halte nichts in deinem Geist fest.
Du bist das Selbst, und du bist frei.
Vergiss alles

Mein Kind, lies die heiligen Schriften
und diskutiere sie, soviel du willst.
Aber in deinem Herzen lebst du erst dann, wenn du alles vergisst.
Das Streben ist die Wurzel des Leidens.
Aber wer versteht das schon?
Nur wenn du das Glück hast, diese Lehre zu verstehen, findest du Freiheit.
Du kümmerst dich um dieses, und vernachlässigst jenes .
Doch wenn der Geist aufhört, das eine am andern zu messen,
giert er nicht mehr nach Lust.
Er sehnt sich nicht mehr nach Reichtum und religiösen Pflichten,
die Erlösung versprechen.
Wenn das Verlangen nicht schwindet, entwickeln sich Neigungen:
Manches gefällt dir, anderes nicht.
Sie sind die Wurzeln und das Geäst
dieser Welt.
Losgelöst von allem.

Wer die Wahrheit kennt, ist nie unglücklich in der Welt,
denn er füllt das Universum aus.
Es gibt nur wenige Menschen mit offenem Geist,
die Reichtum und Freude, Pflicht und Freiheit, Leben und Tod
weder suchen noch scheuen.
Ein solcher Mensch wünscht sich weder das Ende der Welt
noch ihr Weiterbestehen.
Einerlei, was geschieht, er lebt immer im Glück,
denn er ist wahrhaft gesegnet.
Jetzt, da er versteht, findet er Erfüllung.
Er sieht und er hört, er berührt und er riecht,
und er ist glücklich.
Einerlei, wer ihm naht:
eine reizvolle Frau oder der Tod in Person, er bleibt unbewegt.
Ihm ist alles gleich:
Mann oder Frau, Glück oder Unglück,
Freude oder Leid.
Es gibt keinen Unterschied.
Er bleibt gelassen.
Die Welt fesselt ihn nicht mehr.
Er überschreitet die Grenzen
des menschlichen Wesens.
Er spürt weder Mitleid noch den Wunsch zu schaden,
weder Stolz noch Demut.
Nichts stört seine Ruhe, nichts kann ihn überraschen.
Denn er ist frei, er begehrt oder verabscheut
nichts in der Welt.
Er nimmt alles, wie es kommt.
Sein Geist haftet an nichts.
Sein Geist ist leer.

Ob er meditiert oder nicht, er ist ohne Sorge,
er bleibt unerschüttert vom Kampf zwischen Gut und Böse.
Er ist losgelöst von allem, allein.
Sein Geist schmilzt dahin, und mit ihm vergehen
Trugbilder und Träume
und die Blindheit des Auges.
Was ist er geworden?
Es gibt keine Namen.
Er hat Freiheit erlangt, nimmt sich nichts mehr zu Herzen,
weder Pflichten noch Wünsche.
Er hat nichts zu tun, als sein Leben zu leben.
Wenn etwas dich ablenkt, übst du Konzentration.
Doch nichts lenkt den Meister ab.
Er hat nichts zu erfüllen -
denn was könnte er noch erreichen?
Er benimmt sich wie jedermann und ist doch innerlich anders.
Er sieht kein Fehl an sich selbst,
er irrt nicht vom Weg ab, Meditation braucht er nicht.
Er ist wach und erfüllt, frei von Verlangen.

Es ist falsch zu sagen
"Er ist",
und falsch zu sagen
"Er ist nicht".
Er sieht beschäftigt aus, aber er tut nichts.
Ob er sich bemüht oder still ist, er bleibt unerschüttert.
Er tut, was zu tun ist, und er ist glücklich.
Er hat keine Wünsche, hat seine Ketten gelöst
und geht auf Luft.
Er ist jenseits der Welt, jenseits von Freude und Leid.
Sein Geist bleibt stets kühl.
Er lebt, als hätte er keinen Körper.
Sein Geist ist kühl und rein.
Er ist glückselig im Selbst.
Er strebt nicht nach Entsagung.
Er vermisst nichts.
Sein Geist ist leer.
Er tut, was ihm gefällt.
Er ist kein gewöhnlicher Mensch.
Ehre und Unehre bedeuten ihm nichts.
Er findet Freiheit im Leben, doch er handelt wie gewöhnliche Menschen.
Aber er ist kein Narr.

Glücklich und weise gedeiht er in der Welt.
Nichts lenkt ihn ab, darum meditiert er nicht.
Er ist ungebunden, darum sucht er keine Freiheit.
Selbst wenn er still ist, ist der Selbstsüchtige beschäftigt.
Selbst wenn er beschäftigt ist, ist der Selbstlose still.
Wenn ein Tor die Wahrheit hört, ist er verwirrt.
Wenn ein Weiser die Wahrheit hört, geht er nach innen.
Vielleicht sieht er aus wie ein Narr, aber er ist nicht verwirrt.
Im Streben oder in der Stille, der Narr findet nie Frieden.
Doch der Meister findet ihn, weil er weiß, wie die Dinge sind.
In dieser Welt probieren die Menschen viele Wege.
Und doch übersehen sie das Selbst, den Geliebten.
Der Narr wird niemals frei, auch nicht in Konzentration.
Doch der Meister geht nicht fehl.

Weil er weiß, wie die Dinge sind, ist er frei und beständig.
Der Narr will Gott sein, darum findet er ihn nie.
Der Meister lebt immer im Frieden, weil er weiß, wie die Dinge sind.
Wenn du erkannt hast, dass du nichts tust, nichts genießt,
kommen die Wellen des Geistes zur Ruhe.
Der Meister bewältigt den Alltag in vollkommenem Gleichmut.
Er ist glücklich, wenn er sitzt, glücklich, wenn er spricht und isst,
glücklich im Schlaf,  im Kommen und Gehen.
Er kennt sein wahres Wesen, darum tut er, was zu tun ist,
ohne die Ruhe zu verlieren wie gewöhnliche Menschen.
Er kennt keine Sorgen.
 

Auszüge aus der Ashtavakra-Gita, die Bestandteil der Veden ist

Quelle: http://ulf-hanebuth.jimdo.com/

HOLOFEELING VI-DEOS